Blutbad

Es gibt Menschen, die bei dem Anblick ihres eigenen Blutes Schwindelanfälle bekommen. Vielleicht liegt es auch weniger am Blut und mehr an der Wunde, aus der es heraustropft. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als mein eigenes Blut zu sehen.

Wenn ich mich selbst verletze gibt es mehr als nur einen einzigen Grund dafür. Ich zerschneide mir die Arme nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ganz im Gegenteil, ich versuche die Schnitte so gut es geht zu verstecken, damit niemand sie zu Gesicht bekommen kann. Ich schneide auch nicht aus Langeweile oder Lust und Laune an meinem Körper herum. Mir geht es lediglich um den Schmerz und das Blut.

Meine Gefühlswelt ist ein Kartenhaus. Es steht, es wackelt, es bricht zusammen. Wenn es zusammenbricht ist es, als würde diese Gefühlswelt komplett absterben. Vergleichbar mit einem Stromausfall - es macht kurz zack und von einer Sekunde zur nächsten funktioniert nichts mehr. Es ist ein unbeschreiblicher Zustand, der mir jedes Mal wieder den Verstand raubt. Wenn ich zur Rasierklinge greife und sie über meine Arme ziehe, dann tue ich es mit einem einzigen Gedanken. Du bist noch nicht tot, du bist noch nicht tot, du bist noch nicht tot. Der Schmerz eines Schnittes bestätigt mir meinen Gedanken, dass ich noch nicht tot bin. Dabei die roten Linien zu beobachten, mit denen sich die feinen Schnitte füllen, hat eine beruhigende Wirkung. Einer der wenigen Momente, in denen ich wirklich abschalten kann. Abgesehen davon bringen diese Schnitte ein Gefühl der Erleichterung mit sich. Es ist, als würde all der innere Schmerz, verbunden mit dem Blut, aus den kleinen Wunden herauslaufen. Es fällt eine enorme Anspannung ab.

Ein Schnitt ist wie ein riesiges und wunderschönes Feuerwerk. Innerhalb weniger Sekunden treffen sämtliche gute Gefühle aufeinander, knallen zusammen und es gibt eine große Explosion. Man möchte weinen und schreien zugleich; wild um sich schlagen und irgendetwas zertrümmern; sich die Haare ausreißen und Gegenstände herumschleudern. Ein Gefühl, als würde man endlich aus dem inneren Gefängnis ausbrechen, doch bevor es passieren kann, schließen sich die Gitter wieder.


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